Als Wärmebrücke wird eine bauliche Schwachstelle bezeichnet, bei der mehr Wärme verloren geht als bei einer normalen Bauteilfläche. Diese kann z. B. durch eine auskragende Betonplatte verursacht werden, die in die Außenwand eingebunden ist. Durch ihre relativ große Oberfläche kühlt die Balkonplatte aus und damit auch der Bereich der Außenwand, in den die Balkonplatte eingebunden ist. Daher fließt an dieser Stelle mehr Wärme ab als durch die normale Außenwandfläche.
Dieser Temperaturunterschied kann an der Wandoberfläche gemessen oder auch durch ein Wärmebild (Thermografie) sichtbar gemacht werden. Ebenso ist es möglich, diese Schwachstelle zu berechnen.
Die ersten beiden Verfahren zeigen den vorhandenen Zustand und können nach einer Sanierung als Qualitätskontrolle genutzt werden. Durch die Wärmebrückenberechung können die maßgeblichen Oberflächentemperaturen anhand von bauphysikalischen Daten ermittelt werden. So ist es möglich, vor Ausfürung zu wissen, ob durch die geplante Sanierung die Wärmebrücke ausreichend entschärft ist.

Schimmelwachstum auf der Oberfläche der Fensterleibung

Die problematische Oberflächentemperatur der Fensterleibung wird durch eine Innenthermografie sichtbar

Mit Hilfe der Wärmebrückenberechnung kann der vorhandene Zustand und verschiedene Sanierungsvarianten dargestellt werden
Um eine Wärmebrücke bewerten zu können, ist zum Einen die Temperaturdifferenz zwischen Schwachstelle und normaler Bauteilfläche entscheidend: je größer diese ist, desto wahrscheinlicher ist ein möglicher Bauschaden/Schimmel. Zum Andereren ist auch die Temperatur an der Oberfläche entscheidend: sinkt diese unter einen bestimmten Grenzwert, sind Probleme zu erwarten.
Schimmel entsteht hauptsächlich durch ausreichende Oberflächenfeuchte über einen längeren Zeitraum. Wir kennen alle das Phanomen des Tauwassers: an einer kalten Oberfläche kondensiert Wasserdampf zu Wasser, die Oberflächenfeuchte beträgt demnach 100 Prozent.
Schimmelwachstum entsteht bei einer Oberflächenfeuchte von 80 Prozent, ist also mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar. Diese Bedingungen können bei einer normalen Wohn-Nutzung mit einer Raumtemperatur von 20 Grad und einer Luftfeuchte von 50 Prozent entstehen, wenn bei entsprechenden Außentemperaturen ein Bauteilbereich bis unter einen Grenzwert abkühlt.
Bei einer Diskussion über die Verantwortlichkeit bei Schimmelwachstum spielt auch das Lüftungsverhalten der BewohnerInnen eine Rolle. Ist die Raumluftfeuchte über ein vertretbares Maß hinaus und über einen längeren Zeitraum erhöht, wird innerhalb des kritischen Bauteilbereichs die Oberflächenfeuchte von 80 Prozent schon oberhalb der Grenztemperatur erreicht.
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass durch Absenken der Raumluftfeuchte eine Schimmelbildung vermieden werden kann, wenn die vorhandenen Wärmebrücken als weniger kritisch eingestuft werden.